Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2026 von Gesundheitsticker
Ab dem 1. August 2027 können Frauen in Deutschland bereits ab 45 Jahren am Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs teilnehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, die Altersgrenze von bisher 50 Jahren abzusenken. Damit erhalten rund 2,4 bis 2,5 Millionen zusätzliche Frauen Zugang zu dieser wichtigen Vorsorgeuntersuchung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen.
Was ändert sich konkret bei der Brustkrebs-Früherkennung?
Neue Altersgrenze und Kostenübernahme
Bisher konnten nur Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eine Mammografie im Rahmen des organisierten Screening-Programms durchführen lassen. Jüngere Frauen mussten die Kosten selbst tragen. Nach der Prüfung durch das Bundesgesundheitsministerium tritt die Neuregelung voraussichtlich am 1. August 2027 in Kraft. Der Beschluss basiert auf einer Evaluierung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen von August 2021, die ergab, dass auch bei Frauen zwischen 45 und 49 Jahren der Nutzen der Untersuchung höher ist als das Risiko.
So funktioniert die Anmeldung ab 2027
Ab August 2027 können sich Frauen ab 45 Jahren direkt bei ihrer zuständigen Zentralen Stelle für einen Untersuchungstermin anmelden. Die Kontaktadressen findest Du auf der Internetseite des Mammographie-Screening-Programms nach Eingabe Deiner Postleitzahl. Persönliche Einladungen per Post erhalten die neu anspruchsberechtigten Frauen voraussichtlich ab Januar 2028. Die Untersuchung findet weiterhin alle zwei Jahre in spezialisierten medizinischen Zentren nach einheitlichen Qualitätsstandards statt.

Medizinischer Hintergrund: Nutzen und Risiken der Mammografie
Wie die Früherkennung wirkt
Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, die Tumore in einem frühen Stadium entdecken soll, bevor sie tastbar sind oder Lymphknoten befallen haben. Laut einer Untersuchung des Bundesamts für Strahlenschutz senkt das Screening das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, für teilnehmende Frauen um 20 bis 30 Prozent. Eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz aus dem Jahr 2025 zeigte, dass unter den am Screening-Programm teilnehmenden Frauen von 50 bis 69 Jahren in den Jahren 2009 bis 2018 die Brustkrebs-Todesfälle bei frühzeitiger Diagnose zwischen 20 und 30 Prozent zurückgegangen sind.
Besonderheiten bei jüngeren Frauen
Bei jüngeren Frauen ist die Untersuchung allerdings schwieriger: Ihr Brustgewebe enthält durchschnittlich mehr Drüsengewebe und ist deshalb dichter. Dadurch lassen sich Tumoren auf den Röntgenbildern schlechter erkennen. Zudem reagiert jüngeres Brustgewebe empfindlicher auf Röntgenstrahlung. Dennoch hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen festgestellt, dass der Nutzen der Untersuchung auch in der Altersgruppe zwischen 45 und 49 Jahren höher ist als das Risiko.
Mögliche Nachteile der Früherkennung
Zu den möglichen Nachteilen gehören die Strahlenbelastung und sogenannte Überdiagnosen. Bei der Früherkennung können auch Tumoren entdeckt werden, die ohne Untersuchung zu Lebzeiten keine Beschwerden verursacht hätten. Dies kann zu unnötigen Behandlungen führen. Professor Dr. Achim Wöckel vom Universitätsklinikum Würzburg betont deshalb: „Es ist wichtig, dass Frauen sowohl über die potenziellen Vorteile als auch über die Risiken gut informiert werden, um eine fundierte Entscheidung treffen können.“ Der Nutzen einer Früherkennung gilt jedoch als klar belegt , auch für Frauen, die bereits ab dem 45. Lebensjahr gescreent werden.
Praktische Empfehlungen für Deine Brustgesundheit
Vorsorge über das Screening hinaus
Das Mammografie-Screening ist ein wichtiger Baustein der Brustkrebs-Früherkennung, aber nicht die einzige Maßnahme. Folgende Aspekte tragen ebenfalls zur Brustgesundheit bei:
- Regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust, um Veränderungen frühzeitig zu bemerken
- Jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung mit Tastuntersuchung
- Bei familiärer Vorbelastung: Gespräch mit dem Arzt über individuelle Risiken und zusätzliche Untersuchungen
- Beobachtung von Veränderungen wie Knoten, Einziehungen der Haut oder Absonderungen aus der Brustwarze
Lebensstil und Brustkrebsrisiko
Bestimmte Lebensstilfaktoren können das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Regelmäßige körperliche Aktivität , mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche , wird von Fachgesellschaften empfohlen. Ein gesundes Körpergewicht zu halten ist ebenfalls wichtig, da Übergewicht nach den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöhen kann. Beim Alkoholkonsum gilt: Je weniger, desto besser. Auch übermäßiger Alkoholkonsum steht in Verbindung mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko.
| Altersgruppe | Screening-Intervall | Kostenübernahme | Start |
|---|---|---|---|
| 45-49 Jahre | Alle 2 Jahre | Gesetzliche Krankenkasse | Ab August 2027 |
| 50-75 Jahre | Alle 2 Jahre | Gesetzliche Krankenkasse | Bereits verfügbar |
| Unter 45 Jahre | Nach Indikation | Bei Risikofaktoren | Individuelle Absprache |
Ernährung und Brustgesundheit
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Besonders empfehlenswert sind Lebensmittel mit sekundären Pflanzenstoffen wie Brokkoli, Tomaten, Beeren und Hülsenfrüchte. Eine mediterrane Ernährungsweise mit Olivenöl, Fisch und wenig rotem Fleisch wird häufig als günstig eingeschätzt. Wichtig ist jedoch: Es gibt keine Ernährung, die Brustkrebs sicher verhindern kann. Eine gesunde Lebensweise kann lediglich das Risiko senken.
Fazit: Informierte Entscheidung treffen
Die Absenkung der Altersgrenze für das Mammografie-Screening auf 45 Jahre ist eine bedeutende Änderung in der Brustkrebs-Früherkennung. Rund 2,5 Millionen zusätzliche Frauen erhalten damit Zugang zu dieser Vorsorgeuntersuchung. Die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass der Nutzen auch bei jüngeren Frauen die Risiken überwiegt. Dennoch ist es wichtig, dass jede Frau eine informierte Entscheidung trifft.
Quellen
- Brustkrebs: Mammografie-Screening künftig bereits ab 45 Jahren | tagesschau.de
- Mammografie-Screening bald ab 45 Jahren | aponet.de
- KBV – Mammographie-Screening ab August auch für Frauen ab 45 Jahre
- Brustkrebs-Früherkennung: Mammografie-Screening ist künftig ab 45 Jahren kostenlos möglich – DER SPIEGEL
- Altersgrenze gesunken: Brustkrebs-Früherkennung schon ab 45 Jahren möglich







