Zuletzt aktualisiert am 25. Oktober 2026 von Gesundheitsticker
Was Forscher über Candida auris herausgefunden haben
Forscher der University of Exeter und der City St George’s, University of London, haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem der gefährliche Pilz Candida auris Antimykotika-Behandlungen übersteht. Die in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt: Der Pilz erstellt mehrere Kopien seines gesamten Genoms und entwickelt dabei Mutationen in einem Gen namens “Crazy-one” (CRZ1), das für die Zellwandintegrität wichtig ist. Diese Entdeckung könnte neue Ansätze für die Behandlung und Eindämmung des Erregers eröffnen.
Candida auris wurde erst 2008 zum ersten Mal beschrieben und stellt seitdem ein wachsendes Problem dar. Die Weltgesundheitsorganisation führt den Pilz auf ihrer Liste der Pilzerreger mit höchster Priorität. Ausbrüche wurden in mehr als 60 Ländern auf allen Kontinenten gemeldet, darunter auch in Deutschland.
Wie gefährlich ist Candida auris für Patienten?
Dr. Hugh Gifford, klinischer Dozent am MRC Centre for Medical Mycology der University of Exeter und Intensivmediziner, erklärt: “Candida auris ist in der Allgemeinbevölkerung selten, stellt aber eine tödliche Bedrohung für Patienten auf Intensivstationen dar.” Der Pilz haftet an Haut und medizinischer Ausrüstung und kann von Person zu Person übertragen werden. Wenn die Infektion in die Blutbahn vulnerabler Patienten gelangt, liegt die Sterblichkeitsrate bei 45 Prozent.
Die Ausbrüche sind kostspielig und störend: Eine Intensivstation in Großbritannien musste geschlossen und komplett saniert werden, um einen Ausbruch zu stoppen. Ein anderer Ausbruch verursachte Kosten von schätzungsweise einer Million Pfund.

Die Rolle des “Crazy-one”-Gens
Die Entdeckung des Resistenzmechanismus geschah durch Zufall. Ein Forscher ließ versehentlich Zellplatten länger als vorgesehen inkubieren. Bei der Rückkehr stellte sich heraus, dass Zellen unerwartet gewachsen waren. Weitere Tests zeigten: Der Pilz hatte die Antimykotika-Behandlung überlebt, indem er mehrere Versionen seines eigenen Genoms erzeugte.
Diese Genomvervielfältigung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mutationen entstehen, die einigen Zellen helfen, die Behandlung zu überstehen. Die Forscher identifizierten dabei schneller wachsende Varianten mit Mutationen im CRZ1-Gen. Dieses Gen spielt eine wichtige Rolle bei der Integrität der Pilzzellwand , genau dort, wo Antimykotika normalerweise angreifen.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Neue Therapieansätze in Sicht
Dr. Sarah Murphy, ehemalige Postdoktorandin an der City St George’s University of London und Co-Erstautorin der Studie, erläutert: “Wir wollten ursprünglich untersuchen, warum Antimykotika Candida auris nicht abtöten, obwohl Labortests zeigten, dass sie nicht resistent waren und die Medikamente wirksam sein sollten.” Die Entdeckung eines völlig neuen Überlebensmechanismus war überraschend.
Die Erkenntnisse könnten zur Entwicklung verbesserter Antimykotika und Kombinationstherapien führen. Die Forscher betonen, dass neue Behandlungsansätze und Strategien zur Beseitigung des Pilzes aus Krankenhäusern notwendig sind.
| Merkmal | Candida auris | Bedeutung |
|---|---|---|
| Erstbeschreibung | 2008 | Relativ neuer Erreger |
| Verbreitung | Über 60 Länder | Weltweites Problem |
| Sterblichkeit | 45 Prozent | Bei Blutstrominfektionen |
| WHO-Status | Höchste Priorität | Kritischer Pilzerreger |
Praktische Hygienemaßnahmen in Kliniken
Candida auris ist in der gesunden Allgemeinbevölkerung kein Risiko. Die Gefahr besteht vor allem für immungeschwächte Patienten auf Intensivstationen. Der Pilz haftet hartnäckig auf Oberflächen und Haut, was die Übertragung begünstigt.
Krankenhäuser setzen auf strikte Hygienemaßnahmen: gründliche Händedesinfektion, Isolierung betroffener Patienten, intensive Reinigung und Desinfektion von Oberflächen und medizinischen Geräten. Die neue Erkenntnis über den Resistenzmechanismus könnte helfen, gezieltere Kontrollstrategien zu entwickeln.
Ausblick auf zukünftige Forschung
Die Studie wurde hauptsächlich vom Medical Research Council finanziert, mit Unterstützung des NIHR Biomedical Research Centre: Exeter. Die Forscher arbeiten nun daran, die Mechanismen genauer zu verstehen und therapeutische Ansätze zu entwickeln, die die Genomvervielfältigung und die CRZ1-Mutationen berücksichtigen.
Für die meisten Menschen besteht kein Grund zur Sorge. Candida auris betrifft primär schwerkranke Patienten in Krankenhäusern. Die Forschung konzentriert sich darauf, bessere Behandlungsmöglichkeiten für diese vulnerable Patientengruppe zu schaffen und Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen effektiver zu kontrollieren.
Quellen
- New study reveals why dangerous fungus is so difficult to treat | FOX 9 Minneapolis-St. Paul
- A Lab Accident Helped Reveal How a Deadly Fungus Evades Drugs
- Unexpected discovery of new mechanism which helps deadly fungus Candida auris evade treatment – University of Exeter News
- Candida auris copies its entire genome to survive antifungal treatment, research reveals
- Candida auris copies its entire genome to survive antifungal treatment, research reveals – Memesita







