Typ-2-Diabetes: 54 % Remission durch Lebensstiländerung

Zuletzt aktualisiert am 18. Oktober 2026 von Gesundheitsticker

Studie zeigt: Mehr als die Hälfte erreichte Diabetes-Remission

Typ-2-Diabetes muss nicht zwangsläufig eine lebenslange Diagnose sein. Eine aktuelle Studie von Forschern der McGill University in Kanada und der University of Leicester in Großbritannien zeigt, dass 54 Prozent der Teilnehmer mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes durch ein 24-wöchiges Programm aus kalorienreduzierter Ernährung und strukturiertem Training eine Remission erreichten , ohne blutzuckersenkende Medikamente.

An der randomisierten Studie nahmen 96 Personen verschiedener ethnischer Herkunft mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes und Adipositas teil, die keine Insulintherapie erhielten. Das Durchschnittsalter lag bei 38 Jahren, der durchschnittliche Body-Mass-Index bei 35,2 kg/m². Die Studie fand zwischen September 2021 und Juni 2025 an drei Zentren in Kanada und Großbritannien statt.

Definition: Früh einsetzender Typ-2-Diabetes

Als früh einsetzender Typ-2-Diabetes gilt eine Diagnose im Alter von 45 Jahren oder jünger. Diese Form schreitet häufig schneller voran als Diabetes, der später im Leben auftritt. Betroffene zeigen eine beschleunigte Verschlechterung der Blutzuckerwerte und haben ein erhöhtes Risiko für vorzeitige gesundheitliche Komplikationen und Sterblichkeit.

Ergebnisse der Interventionsgruppe

Von den 50 Teilnehmern der Interventionsgruppe erreichten 27 Personen nach 24 Wochen eine Remission , das entspricht 54 Prozent. In der Kontrollgruppe mit 46 Personen, die ihre gewohnte Lebensweise fortsetzten, erreichten lediglich zwei Personen (4 Prozent) eine Remission. Die Remission wurde definiert als Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetes-Diagnoseschwelle ohne Einnahme blutzuckersenkender Medikamente.

Trainingsraum mit Fitnessgeräten in ruhiger Atmosphäre

Das Programm: Ernährung und Bewegung kombiniert

Phase 1: Intensive Kalorienreduktion (Woche 1-12)

In den ersten zwei Wochen ersetzten die Teilnehmer alle Mahlzeiten durch Formulaprodukte (Optifast in Großbritannien, ProtiDi in Kanada). Die tägliche Kalorienzufuhr betrug 800 bis 900 Kilokalorien, verteilt auf 30 Prozent Protein, 50 Prozent Kohlenhydrate und 20 Prozent Fett. Ab Woche drei konnten die Teilnehmer mehr Abwechslung einführen, während sie die Kaloriengrenze bis Woche 12 beibehielten.

Parallel dazu absolvierten die Teilnehmer zweimal wöchentlich überwachte Trainingseinheiten mit einer Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining sowie einmal pro Woche ein selbstständiges Training. Zu Beginn der Diät wurden blutzucker- und blutdrucksenkende Medikamente unter ärztlicher Aufsicht abgesetzt, sofern keine Albuminurie (Eiweiß im Urin) vorlag.

Phase 2: Gewichtserhaltung (Woche 13-24)

Nach 12 Wochen wechselten die Teilnehmer zu einer Ernährung zur Gewichtserhaltung und setzten das Training selbstständig fort. Diese Phase diente dazu, die erreichten Verbesserungen zu stabilisieren und in den Alltag zu integrieren.

Phase Dauer Ernährung Training
Intensive Phase Woche 1-12 800-900 kcal/Tag 2× betreut + 1× selbstständig/Woche
Erhaltungsphase Woche 13-24 Gewichtserhaltung Selbstständig

Gesundheitliche Verbesserungen über den Blutzucker hinaus

Körperzusammensetzung und Fitness

Die Teilnehmer der Interventionsgruppe verloren deutlich mehr Fettmasse als die Kontrollgruppe, behielten aber , und das ist medizinisch bedeutsam , ihre Muskelmasse und Muskelkraft. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu reinen Diätprogrammen, bei denen häufig auch Muskeln abgebaut werden.

Die kardiorespiratorische Fitness verbesserte sich um 10,3 Prozent im Verhältnis zum Körpergewicht. Zudem sanken der Ruheblutdruck und die Ruheherzfrequenz. Die linke Herzkammer zeigte eine gesündere Form und Struktur im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden

In Befragungen berichteten die Teilnehmer, dass ihre diabetesbedingten Belastungen abgenommen und ihre Lebensqualität zugenommen hatte. Diese subjektiven Verbesserungen sind für den langfristigen Therapieerfolg wichtig.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Was bedeuten diese Ergebnisse für Betroffene?

Die Studie zeigt, dass strukturierte Lebensstiländerungen bei früh einsetzendem Typ-2-Diabetes wirksam sein können. Wichtig: Das Programm wurde unter enger medizinischer Aufsicht durchgeführt. Wer eine ähnliche Intervention erwägt, sollte dies nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt tun.

Eine sehr niedrige Kalorienzufuhr von 800 bis 900 Kilokalorien täglich ist nicht für jeden geeignet und sollte nur unter fachlicher Begleitung erfolgen. Die Forscher betonen, dass zu Beginn des Programms Medikamente angepasst wurden, um Komplikationen zu vermeiden.

Bewegung als wichtiger Baustein

Das Trainingsprogramm kombinierte Ausdauer- und Krafttraining. Diese Kombination hilft, Muskelmasse zu erhalten, während Körperfett abgebaut wird. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes empfehlen Fachgesellschaften generell regelmäßige körperliche Aktivität , angepasst an die individuelle Fitness und gesundheitliche Situation.

Offene Fragen und Einschränkungen

Die Studie dauerte 24 Wochen. Wie lange die Remission anhält und ob die Teilnehmer die Lebensstiländerungen langfristig beibehalten können, muss in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Zudem ist noch unklar, welcher Programmbestandteil , die Ernährungsumstellung oder das Training , den größeren Effekt hatte. Die Forscher schlagen vor, in künftigen Studien kalorienreduzierte Ernährung, Training und die Kombination aus beidem separat zu vergleichen.

Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass früh einsetzender Typ-2-Diabetes bei einem erheblichen Anteil der Betroffenen durch intensive Lebensstiländerungen in Remission gebracht werden kann. Die Autoren der Studie, geleitet von Professorin Kaberi Dasgupta von der McGill University, sprechen von Remissionsraten am oberen Ende dessen, was in der Fachliteratur für vergleichbare Zeiträume berichtet wurde. Erstmals wurde dieser Effekt in einer ethnisch vielfältigen Population mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes durch ein kombiniertes Programm aus kalorienreduzierter Ernährung und strukturiertem Training nachgewiesen.

Quellen

Gesundheitsticker

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