STIKO empfiehlt erstmals Vogelgrippe-Impfung für Risikoberufe

Zuletzt aktualisiert am 5. November 2026 von Gesundheitsticker

Neue Impfempfehlung für Beschäftigte mit erhöhtem Infektionsrisiko

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat erstmals eine Empfehlung zur Grundimmunisierung gegen die zoonotische Influenza A(H5) ausgesprochen. Die Empfehlung richtet sich an zwei spezifische Berufsgruppen mit einem berufsbedingt erhöhten Ansteckungsrisiko: Laborpersonal, das direkt mit den entsprechenden Viren arbeitet, sowie Beschäftigte in der Tierseuchen- und Ausbruchsbekämpfung. Die Veröffentlichung erfolgte im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI).

Hintergrund der Entscheidung ist eine Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ihren Mitgliedstaaten nahegelegt hatte, eigene Richtlinien zur Nutzung von A(H5)-Impfstoffen zu erarbeiten. Das H5N1-Virus breitet sich weltweit unter Vögeln und zunehmend auch unter Säugetieren aus, was das Risiko für Menschen erhöht, die beruflich mit infizierten oder potenziell infizierten Tieren in Kontakt kommen.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die STIKO-Empfehlung beschränkt sich auf Personen mit direktem beruflichen Kontakt zu H5N1-Viren oder infizierten Tieren. Dazu gehören Mitarbeiter in virologischen und mikrobiologischen Laboren, die mit Vogelgrippeviren arbeiten, sowie Fachkräfte, die bei Ausbrüchen von Tierseuchen im Einsatz sind, etwa Veterinäre und Seuchenbekämpfungsteams.

Ausrüstung für Tierseuchenbekämpfung in professioneller Umgebung

Unterschied zur saisonalen Grippeschutzimpfung

Die neue A(H5)-Impfempfehlung ergänzt eine bereits bestehende Empfehlung zur saisonalen Grippeschutzimpfung. Zum 15. Oktober 2026 hatte die STIKO empfohlen, dass sich Personen mit häufigem, regelmäßigem und direktem Kontakt zu Geflügel, Schweinen, Wildvögeln oder Robben bis Anfang Dezember gegen die saisonale Grippe impfen lassen sollten , unabhängig vom Alter.

Diese herkömmliche Grippeschutzimpfung bietet keinen direkten Schutz vor der Vogelgrippe, soll jedoch gefährliche Doppelinfektionen bei exponierten Arbeitskräften verhindern. Die Empfehlung basiert auf Beschlüssen der Strategic Advisory Group of Experts on Immunization der WHO aus dem September 2025 sowie einer Empfehlung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten aus dem Dezember 2025.

Verfügbarkeit und Beschaffung noch ungeklärt

Zulassung vorhanden, Zugang offen

Trotz der offiziellen Empfehlung bleibt die praktische Umsetzung vorerst offen. Zwar existieren in der Europäischen Union bereits Zulassungen für entsprechende A(H5)-Impfstoffe, in Deutschland stehen diese Vakzine derzeit jedoch nicht regulär zur Verfügung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts müssen die genauen Zugangswege, die Beschaffung sowie die Bereitstellung erst noch geklärt werden.

Ein belastbarer Zeitpunkt, ab wann der A(H5)-Impfstoff bundesweit tatsächlich zur Verfügung steht, lässt sich gegenwärtig nicht nennen. Betroffene Arbeitgeber und Beschäftigte sollten die Entwicklung beobachten und sich bei den zuständigen Gesundheitsbehörden über den aktuellen Stand informieren.

Vorbereitung für Arbeitgeber

Arbeitgeber in den betroffenen Bereichen können sich bereits jetzt auf die künftige Verfügbarkeit vorbereiten. Dazu gehört die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitsplätze mit H5N1-Exposition sowie die Vorbereitung der internen Dokumentation. Sobald der Impfstoff bereitsteht, können dann zeitnah entsprechende Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Allgemeine Impfempfehlungen für Herbst und Winter

Grippeschutzimpfung für Risikogruppen

Unabhängig von der neuen A(H5)-Empfehlung gelten die etablierten Impfempfehlungen der STIKO für die Herbst- und Wintersaison weiter. Eine Influenza-Impfung gegen die saisonale Grippe empfiehlt die STIKO für Menschen ab 60 Jahren, für alle mit chronischen Erkrankungen ab sechs Monaten, für Bewohner von Pflegeheimen, für medizinisches Personal, für Schwangere und für Menschen mit Kontakt zu bestimmten Tieren wie Schweinen oder Geflügel.

Allerdings haben sich zuletzt immer weniger Menschen in Deutschland gegen Grippe impfen lassen. Laut Ärzteblatt lag der Anteil der Menschen ab 60 Jahren, die 2025 gegen Grippe geimpft waren, bei 34 Prozent. Dem Robert Koch-Institut zufolge ist das der niedrigste Wert seit 17 Jahren.

Impfung Zielgruppe Zeitpunkt Schutzwirkung
Saisonale Grippe Ab 60 Jahre, Risikogruppen Oktober, Dezember Gegen saisonale Influenza
A(H5) Vogelgrippe Labor- und Seuchenpersonal Nach Verfügbarkeit Gegen H5N1-Virus
Pneumokokken Ab 60 Jahre Ganzjährig Gegen bakterielle Lungenentzündung
Herpes zoster Ab 60 Jahre Zwei Dosen, 2, 6 Monate Gegen Gürtelrose

Weitere Impfungen für ältere Menschen

Neben der Grippe-Impfung wird für ältere Menschen in Deutschland eine Immunisierung gegen Pneumokokken empfohlen, die bakterielle Lungenentzündungen verursachen können. Ebenfalls empfohlen wird die Impfung gegen Herpes zoster (Gürtelrose), die in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten erfolgt. Eine Impfung gegen die Atemwegserkrankung RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) sollte mit dem Hausarzt besprochen werden.

Aktualisierte Corona-Impfempfehlung

Die STIKO hat ihre Empfehlungen zu den Corona-Impfungen 2026 aktualisiert. Impfen lassen sollte sich jetzt, wer älter als 75 Jahre ist oder zu einer Risikogruppe gehört, beispielsweise Patienten mit einem geschwächten Immunsystem oder Personal in der Medizin. Auch Schwangere mit gesundheitlichen Risiken sollten sich immunisieren lassen. Wegen der herabgesetzten Empfehlung bekommen nicht mehr alle Kassenpatienten die Corona-Impfung komplett erstattet. Schon 2025 hatten sich laut RKI nur noch 16 Prozent der Menschen über 60 Jahren in Deutschland gegen COVID-19 impfen lassen.

Quellen

Gesundheitsticker

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