Zuletzt aktualisiert am 18. Oktober 2026 von Gesundheitsticker
Was die Forschung zeigt
Eine umfangreiche Studie des National Cancer Institute (NCI) bringt neue Erkenntnisse zur Verbindung zwischen ultraverarbeiteten Lebensmitteln und Darmkrebs. Die am 15. Oktober 2026 in PLOS Medicine veröffentlichte Untersuchung verfolgte mehr als 460.000 ältere Erwachsene in den USA über einen Zeitraum von durchschnittlich 19 Jahren. Das überraschende Ergebnis: Die Gesamtmenge an ultraverarbeiteten Lebensmitteln zeigte keinen direkten Zusammenhang mit dem Auftreten von Darmkrebs.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Ernährung unwichtig ist. Die Forschenden fanden wichtige Unterschiede zwischen verschiedenen Lebensmittelgruppen. Während des Beobachtungszeitraums entwickelten etwas mehr als 10.000 Teilnehmende Darmkrebs. Die detaillierte Auswertung der Ernährungsfragebögen offenbarte ein differenziertes Bild.
Unterschiedliche Wirkung verschiedener Lebensmittel
Die Studie zeigt deutlich: Ultraverarbeitete Lebensmittel sind keine einheitliche Kategorie. Dr. Erikka Loftfield, ehemalige Forscherin am NCI, erklärt: „Wir fanden keine Verbindung zwischen der gesamten Aufnahme ultraverarbeiteter Lebensmittel und Darmkrebs. Als wir jedoch Lebensmittelgruppen wie Vollkorn, Milchprodukte und Fleisch nach ihrer Verarbeitung untersuchten, entsprachen die Zusammenhänge den aktuellen Ernährungsempfehlungen zur Darmkrebsprävention.“
Die Zahlen aus der Studie sind konkret: Jede tägliche Portion ultraverarbeitetes Fleisch war mit einem 8 Prozent höheren relativen Darmkrebsrisiko verbunden. Im Gegensatz dazu senkten ultraverarbeitete Vollkornprodukte das Risiko um 9 Prozent pro täglicher Portion und ultraverarbeitete Milchprodukte um 10 Prozent.

Besonders wichtig: Ballaststoffe und Kalzium
Noch deutlicher waren die Ergebnisse für bestimmte Nährstoffe. Die Forschenden berechneten ein 23 Prozent niedrigeres Darmkrebsrisiko für jeweils zusätzliche 300 Milligramm Kalzium pro Tag. Bei Ballaststoffen zeigte sich ein 28 Prozent niedrigeres Risiko für jeweils zusätzliche 10 Gramm täglich. Diese Werte stammen aus der Analyse der Ernährungsdaten der Studienteilnehmenden.
Was bedeutet „ultraverarbeitet“?
Breites Spektrum an Lebensmitteln
Ein wichtiger Punkt der Studie: Die meisten Vollkornprodukte, die die Teilnehmenden verzehrten, stammten aus ultraverarbeiteten Quellen , hauptsächlich Brot und Frühstückscerealien. Dr. Lilian Chen, Leiterin der Darmchirurgie am Tufts Medical Center in Boston, kommentiert: „Ich hatte ehrlich gesagt nicht einmal in Betracht gezogen, dass etwas wie Vollkornbrot in die Kategorie ultraverarbeiteter Lebensmittel fallen könnte.“
Dr. Ketan Thanki, Darmchirurg am MemorialCare Todd Cancer Institute in Kalifornien, ergänzt: „Nur weil etwas ultraverarbeitet ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es schlecht oder gut für dich ist. Die Quelle des Lebensmittels und die Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Aromen, Zucker und Farbstoffe spielen wahrscheinlich eine viel größere Rolle für das Krebsrisiko.“
Einordnung der Ergebnisse
Dr. Marissa Shams-White, leitende Wissenschaftlerin bei der American Cancer Society, ordnet die Studie ein: „Eine der Herausforderungen bei der Untersuchung ultraverarbeiteter Lebensmittel ist, dass die Kategorie eine sehr breite Palette an Lebensmitteln und Getränken umfasst. Wir wissen noch nicht, ob sie alle in gleicher Weise mit dem Darmkrebsrisiko zusammenhängen.“
Praktische Empfehlungen für den Alltag
Welche Lebensmittel bevorzugen?
Basierend auf den Studienergebnissen lassen sich folgende Empfehlungen ableiten, die mit aktuellen Ernährungsrichtlinien übereinstimmen:
| Lebensmittelgruppe | Empfehlung | Effekt laut Studie |
|---|---|---|
| Vollkornprodukte | Täglich einbauen | 9% niedrigeres Risiko pro Portion |
| Milchprodukte | Regelmäßig verzehren | 10% niedrigeres Risiko pro Portion |
| Ballaststoffe | Mindestens 30g täglich | 28% niedrigeres Risiko pro 10g |
| Kalzium | Ausreichend aufnehmen | 23% niedrigeres Risiko pro 300mg |
| Verarbeitetes Fleisch | Begrenzen | 8% höheres Risiko pro Portion |
Umsetzung im Alltag
Die Studienergebnisse bedeuten nicht, dass du alle verarbeiteten Lebensmittel meiden musst. Stattdessen geht es darum, bewusste Entscheidungen zu treffen. Vollkornbrot und ballaststoffreiche Frühstückscerealien können Teil einer gesunden Ernährung sein, auch wenn sie technisch als ultraverarbeitet gelten. Der Fokus sollte auf der Qualität und den enthaltenen Nährstoffen liegen.
Verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, Schinken oder Fertiggerichte mit Fleisch sollten hingegen nur selten auf dem Speiseplan stehen. Dr. Heather Yeo, Darmchirurgin und Onkologin am Weill Cornell Medicine, betont: „Die Art und Nährstoffqualität der Lebensmittel könnte für das Darmkrebsrisiko wichtiger sein als das Verarbeitungslabel allein.“
Diese Studie liefert vorläufige Erkenntnisse aus Beobachtungsdaten. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber keine direkten Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen. Weitere Forschung ist nötig, um die genauen Mechanismen zu verstehen. Die Ergebnisse unterstützen jedoch die bestehenden Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung mit viel Vollkorn, Ballaststoffen, Milchprodukten und wenig verarbeitetem Fleisch zur Senkung des Darmkrebsrisikos.
Quellen
- Colorectal Cancer: Do Ultra-Processed Foods Affect Risk?
- Large study finds no link between ultra-processed food and colorectal cancer
- Ultraprocessed Meats (but Not Grains or Dairy) Tied to Higher Colorectal Cancer Risk
- These ultra-processed foods raise colorectal cancer risk, study says
- Large study finds no link between ultra-processed food and colorectal cancer – WBAL






