Reinigende Haut
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DIE SANFTEN HAUTREINIGER

Sie rubbeln, saugen, schmirgeln und liefern Mineralien – erdige Helfer aus Boden, Meer und Gestein folgen in der Pflege von Haut und Körper einer langen, bewährten Tradition.

Schon mal im Watt gewandert? Die Weite und die frische Luft erden im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Füße stecken nicht selten bis zum Knöchel im Schlick.
Mit kaltem Wasser abgespült ist die Haut danach rosig und zart. Dieser Effekt gilt für den ganzen Körper und viele Sorten von Erden. In Kurhotels gehören z. B. Anwendungen mit Moor, Lehm und Schlamm zum festen Programm. Auch Kosmetikhersteller setzen auf die Naturstoffe für Haut und Haar.
Ob Heil-, Ton- oder Lavaerde: Bei allen diesen fein gemahlenen Pulvern handelt es sich um mineralische Erden. Je nachdem woher sie stammen, zum Beispiel aus Deutschland, Frankreich oder Marokko, unterscheiden sie sich in der Zusammensetzung ihrer Mineralstoffe und damit auch ihrer Farbe. Die Struktur der Naturstoffe ist so fein, d. h. die einzelnen Partikel sind so klein (manche Körner messen weniger als 0,002 Millimeter), dass sie in der Masse eine sehr große Oberfläche ergeben. Deshalb können sie jede Menge (Schad-)stoffe an sich binden.

Klassische Heilerde ist besonders saugstark.
Der nicht geschützte Begriff meint in Deutschland Produkte, die aus Löss, einem Gesteinsabrieb aus der Eiszeit, gewonnen werden. Fein zermahlen und auf 130 Grad erhitzt eignet sich Heilerde für innerliche und äußerliche Anwendungen, bei Hautproblemen etwa zur Reinigung und Verfeinerung des Hautbildes. Eine Studie der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Charité Universitätsmedizin Berlin zeigt, dass Masken aus Heilerde und Jojobaöl, die über sechs Wochen zwei- bis dreimal wöchentlich angewendet wurden, unreine Haut und leichte Akne verbessern können. Prof. Bernhard Uehleke, Leiter der Studie, erklärt: „Wenn die Maske auf der Haut trocknet, entsteht eine starke Saugwirkung, die Talg, Bakterien und Schmutz aus der Haut zieht.“ Vergleichbar mit einem Peeling, aber ohne mechanische oder chemische Reizung der Haut. Als Inhaltsstoff in Shampoos bewirkt Heilerde ebenfalls einen Peeling- und Reinigungseffekt, der sich besonders bei schnell fettendem Haar auszahlt.

Auch kosmetische Tonerden wirken reinigend. Ihre Mineralien bestimmen ihre Farbe – so entsteht Rot durch den hohen Gehalt an Eisen und Kupfer. „Rote
Tonerde belebt und regt die Durchblutung der Haut an“, erklärt Liane Jochum, Leiterin der Naturkosmetikfachschule Academia Balance Swiss im schweizerischen Uster. Dagegen ist weiße Erde eisenfrei und sehr mild. „Sie eignet sich besonders für empfindliche Haut, auch um Reizungen vorzubeugen.“
Die aus Marokko stammende Lavaerde (arabisch „Ghassoul“ oder „Rhassoul“) besteht nicht etwa aus Lava. Der Begriff kommt vielmehr vom lateinischen Wort „lavare“, was „waschen“ bedeutet. Mit Wasser vermengt wird sie traditionell zur Körpersäuberung benutzt.

Sehr feine Heilkreide wird auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten Rügens aus Kalkstein, der vor ca. 70 Millionen Jahren durch die Ablagerung von Meeres organismen wie Muscheln und Schnecken entstanden ist, gewonnen. Sie besteht zu 98 Prozent aus dem natürlichen Säure blocker Kalziumkarbonat und enthält Mineralien, wie zum Beispiel Eisen und Magnesium. Das weiße Gesteinspulver ist leicht basisch und wirkt aus gleichend auf die Haut. Frisch angerührt mit Wasser oder ergänzenden Pflegestoffen, wie Pflanzenölen oder Tees, kommt es als Beauty-Maske oder Rubbel-Kur auf die Haut.
Die starken Saugkräfte, die nach dem gleichen Prinzip wie bei Mineralerden funktionieren, können dabei für einen leicht straffenden Effekt sorgen. In Pflege produkten wird Heilkreide vor allem bei fettiger und zu Unreinheiten neigender Haut eingesetzt.

Das feinkörnige Sediment des Meeresbodens enthält Salz, Algen, Erden und viele Mineralien wie Jod. Schlick, die „Heilerde des Meeres“, hat in maritimen Anwendungen wie der Thalassotherapie eine lange Tradition. In Heilbädern an Nord- und Ostsee werden Schlickpackungen zur Linderung von Schuppenflechte und Neurodermitis eingesetzt, um die hauteigene Schutzbarriere zu stärken.
Das Bodenkonzentrat löst abgestorbene Hautschüppchen und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit. Im Nordseeheilbad Cuxhaven gewinnt etwa die Kosmetikfirma La Mer Meeresschlickextrakte aus einem Biotop, z. B. für Feuchtigkeits- Booster und Anti-Aging-Pflege.

Im Schlamm vom Toten Meer, dem großen Binnensee zwischen Jordanien und Israel, konzentrieren sich durch Hitze und Verdunstung Salz und Mineralien sehr stark. Durchschnittlicher Salzgehalt des Gewässers: 28 Prozent. Diese hohe Nährstoffdichte macht das Tote Meer zur beliebten Pilgerstätte für Menschen mit Hauterkrankungen. Salzbäder und Schlammbehandlungen kurbeln die Durchblutung und den Stoffwechsel der Haut an und wirken entzündungshemmend und reinigend, wie Naturkosmetikexpertin Liane Jochum weiß, die Packungen und Masken mit dem konzentrierten Mineralschlamm auch für zu Hause bei unreiner, schnell fettender oder leicht irritierter Haut empfiehlt.

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Marianne

Geschrieben von Marianne

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